Dynamische Differenzkalorimetrie
DSC
Die Dynamische Differenzkalorimetrie (DSC) misst die Wärmemenge, die eine Probe beim kontrollierten Aufheizen oder Abkühlen aufnimmt oder abgibt.
Die Dynamische Differenzkalorimetrie (DSC) misst die Wärmemenge, die eine Probe beim kontrollierten Aufheizen oder Abkühlen aufnimmt oder abgibt.
Damit werden Glasübergänge, Schmelz- und Kristallisationsvorgänge sowie die Reaktionswärme von Vernetzungsreaktionen erfasst – bei organischen Beschichtungen die Grundlage für Aussagen zu Glasübergangstemperatur und Aushärtung. Am IKS gehört die DSC zur Prüftechnik der Abteilung Korrosionsschutz und Verfahrenstechnik, neben der Thermogravimetrie mit IR-Kopplung und der Applikation von Pulver-Beschichtungsstoffen.
Glasübergangstemperatur eines Beschichtungsfilms oder Bindemittels
Vollständigkeit der Aushärtung: Nachweis einer Restreaktion (Nachvernetzung) beim erneuten Aufheizen
Einfluss von Einbrenntemperatur und Einbrennzeit auf die Vernetzung, etwa bei Pulverlacken
Lage des Glasübergangs im Verhältnis zur Einsatztemperatur der Beschichtung
Vergleich von Chargen oder Produktvarianten eines Beschichtungsstoffs in Qualitätssicherung und Entwicklung
Ursachenklärung bei Versprödung, Klebrigkeit oder Haftungsverlust, gemeinsam mit der TGA-IR
Bei der Wärmestrom-DSC befinden sich ein Tiegel mit wenigen Milligramm Probe und ein leerer Referenztiegel im selben Ofen und durchlaufen ein festgelegtes Temperaturprogramm. Aus der Temperaturdifferenz zwischen Probe und Referenz wird der Differenzwärmestrom bestimmt. Ein Glasübergang zeigt sich als Stufe der Messkurve, weil sich die Wärmekapazität ändert; eine Vernetzungsreaktion erscheint als exothermer Peak, dessen Fläche die Reaktionswärme angibt; Schmelzen ist ein endothermer Vorgang.
Für die Beurteilung der Aushärtung wird die Probe in der Regel zweimal aufgeheizt. Ein exothermer Peak im ersten Aufheizen weist auf noch nicht umgesetzte reaktive Gruppen hin; die Glasübergangstemperatur im zweiten Aufheizen beschreibt den nachvernetzten Zustand. Wird zusätzlich der unvernetzte Beschichtungsstoff, etwa das Pulver, gemessen, lässt sich die Restreaktionswärme der Beschichtung auf dessen Gesamtreaktionswärme beziehen. Am IKS wird ein Wärmestrom-Differenzkalorimeter der Firma Netzsch (DSC 204 F1 Phoenix) eingesetzt.
Die DSC erfasst Wärmeströme, aber keine Massenänderung. Fragen nach Restlösemitteln, Wasser und Zersetzungsprodukten beantwortet die Thermogravimetrie mit IR-Kopplung (TGA-IR), die Identifizierung des Bindemittels die FT-IR-Spektroskopie. Die Verfahren werden je nach Fragestellung kombiniert.
1 Thermogramm
Wärmestromkurven aller Aufheiz- und Abkühlsegmente mit Angabe von Temperaturprogramm, Atmosphäre und Probenmasse.
2 Glasübergangstemperatur
Glasübergang im ersten und zweiten Aufheizen, als Kennwert für den Zustand der Beschichtung.
3 Reaktionswärme
Restreaktionswärme in J/g; bei Vergleichsmessung am unvernetzten Ausgangsmaterial Einordnung des Aushärtungsgrads.
4 Bewertung
Einordnung der Ergebnisse im Prüfbericht, bei Bedarf zusammen mit TGA-IR, FT-IR oder Haftfestigkeitsprüfungen.
Anwendung: Qualitätssicherung und Entwicklung von Beschichtungsstoffen, Festlegung von Einbrennbedingungen, Aufklärung von Materialproblemen und Schadensfällen an Beschichtungen.
Beschreiben Sie kurz Beschichtungsstoff oder Beschichtung, Aushärtungsbedingungen und Fragestellung; für Aussagen zum Aushärtungsgrad ist eine Probe des unvernetzten Ausgangsmaterials hilfreich. Wir stimmen mit Ihnen ab, ob die DSC geeignet ist, und nennen Ihnen andernfalls ein alternatives Verfahren, etwa die TGA-IR.
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