Trinkwasser-Versuchsanlage
Stagnations- und Zirkulations­stände nach DIN EN 15664-1

In den Trinkwasser-Versuchsanlagen des IKS werden Werkstoffe und Bauteile für die Trinkwasserinstallation unter praxisnahen Bedingungen betrieben, um die Abgabe von Metallen – insbesondere Blei aus Messinglegierungen – und das Korrosionsverhalten zu bestimmen.

Die Stagnations- und Zirkulationsstände nach DIN EN 15664-1 sind an drei Standorten mit unterschiedlichen Trinkwasserqualitäten aufgebaut; Dosiersysteme erlauben zusätzlich die gezielte Einstellung definierter Prüfwässer.

Typische Fragestellungen

Bleifreisetzung aus Messingarmaturen, -bauteilen und -halbzeugen in Abhängigkeit von Legierungszusammensetzung und Wasserbeschaffenheit

Metallabgabe im dynamischen Prüfstandversuch nach DIN EN 15664-1 (Langzeit)

Einfluss von pH-Wert, Art und Konzentration von Ionen sowie Wasserhärte auf Korrosion und Metallabgabe

Beschleunigte Kurzzeitversuche zum Vergleich von Werkstoff- und Bauteilvarianten

Hygienische Eignung metallischer Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser (DIN 50930-6); Passivverhalten nichtrostender Stähle nach DIN EN 16056

Entzinkung und Spannungsrisskorrosion von Kupfer-Zink-Legierungen (DIN EN ISO 6509-1, DIN 50916-2)

Messprinzip

Prüfstrecken aus den zu untersuchenden Rohren oder Bauteilen werden mit Trinkwasser beaufschlagt; der Betrieb wechselt nach dem Regime der DIN EN 15664-1 zwischen Zirkulation und Stagnation, wie es dem Verbrauchsmuster einer Hausinstallation entspricht. Nach definierten Stagnationszeiten wird das Stagnationswasser entnommen und im Analytiklabor auf Metalle untersucht, u. a. Blei nach DIN 38406-6 und weitere Elemente nach DIN EN ISO 11885 (ICP-OES). Aus dem Verlauf der Konzentrationen über die Betriebsdauer ergibt sich die Metallabgabe des Werkstoffs für die jeweilige Wasserqualität.

Langzeitversuche laufen an drei Standorten mit natürlich unterschiedlichem Trinkwasser. Für Kurzzeitversuche werden Prüfwässer über Dosiersysteme eingestellt (pH-Wert, Art und Konzentration von Ionen, Wasserhärte) und die Korrosion beschleunigt. Nach Versuchsende werden die Prüfkörper metallographisch am Querschliff und mit REM-EDX untersucht: Korrosionsart, Entzinkungstiefe, Deckschichten.

Ergebnisse

1  Metallabgabe
Konzentrationen von Blei und weiteren Elementen im Stagnationswasser über die Laufzeit, je Wasserqualität.

2  Werkstoffvergleich
Gegenüberstellung von Legierungen und Bauteilvarianten unter identischen Bedingungen.

3  Korrosionsbefund
Querschliffe und REM-EDX-Analysen; Entzinkungsbeständigkeit nach DIN EN ISO 6509-1 und Spannungsrisskorrosionsprüfung nach DIN 50916-2 (beide im DAkkS-akkreditierten Bereich).

4  Wasseranalysen und Prüfbericht
Wasseranalysen gemäß Trinkwasserverordnung (außer mikrobiologische Untersuchungen, einzelne Elemente wie Uran und einige organische Parameter); Passivverhalten nach DIN EN 16056 und Prüfung nach ÖNORM B 5014-3 im DAkkS-akkreditierten Bereich.

Anwendung: Werkstoffentwicklung und Zulassungsvorbereitung für Trinkwasserwerkstoffe, Bewertung von Armaturen und Bauteilen, Forschung zur Bleifreisetzung, Schadensfälle in Trinkwasserinstallationen.

Weiterführend

Arbeitsfeld Wasserführende Anlagen Normen und Hausverfahren Arbeitsfeld Analytik Arbeitsfeld Elektrochemie

Anfrage zu diesem Verfahren

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