Rückblick auf die 15. Dresdner Korrosionsschutztage 2023

Am 12. und 13. Dezember veranstaltete die Institut für Korrosionsschutz Dresden GmbH im Dresdner Dorint-Hotel die im zweijährlichen Turnus stattfindenden Dresdner Korrosionsschutztage. Die inzwischen bereits 15. Auflage befasste sich erneut mit den Themenschwerpunkten des Korrosionsschutzes durch metallische Überzüge und Beschichtungen.

Auch in diesem Jahr folgten wieder zahlreiche Gäste aus Industrie, öffentlicher Verwaltung und Forschungseinrichtungen unserer Einladung. Insgesamt konnten wir 96 Teilnehmer auf der diesjährigen Veranstaltung begrüßen, die durch den Prokuristen der IKS, Herrn Dr. Jörg Gehrke, eröffnet wurde.

Erster Tag “Verzinkung”

Dr. Jürgen Triebert, Institut für Korrosionsschutz Dresden GmbH.

Die Führung durch das Fachprogramm des ersten Veranstaltungstages übernahmen Dr. Jürgen Triebert und Steffen Six vom IKS. Aufgrund einer kurzfristig notwendig gewordenen Programmänderung übernahmen sie auch direkt den Einführungsvortrag und nutzten die Gelegenheit, aus ihrer Tätigkeit in der Aufklärung von Korrosionsschäden zu berichten. An konkreten Beispielen wurden die Themen Beschichtungen und Duplexsysteme sowie Verzinkungen behandelt, aber auch ein Exkurs in den Bereich der nichtrostenden Edelstähle unternommen.

Thema des ersten planmäßigen Vortrags war der Bericht von Dr. Triebert über seine langjährige Forschungstätigkeit in Bezug auf die Standzeit von Verzinkungskesseln. Im bereits dritten Forschungsthema beschäftigt er sich mit der Auswirkung der in der Stückverzinkung gebräuchlichen Legierungselemente der Zinkschmelze auf den Abtrag der Kesselwände. Die Ergebnisse liefern sehr nützliche Erkenntnisse für die Verzinkungspraxis und einen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit. Sie ermöglichen die Substitution des Bleis in der Schmelze bei gleichzeitiger Sicherstellung der Kesselstandzeit.

Nach der Mittagspause berichtete Herr Six ebenfalls über Ergebnisse eines abgeschlossenen Forschungsprojekts, bei dem er sich mit Besonderheiten beim Stückverzinken befasste. Da die Schichtbildung beim Stückverzinken auf der Wechselwirkung des flüssigen Zinks mit dem Eisen des Stahlwerkstoffs beruht, finden immer wieder unerwünschte Reaktionen statt, die das Verzinkungsergebnis negativ beeinflussen können. Im Beitrag ging es konkret um den Einfluss von Laserschnittflächen auf das Verzinkungsergebnis.

Für den vierten Beitrag durften wir Herrn Prof. Ralf Feser von der Fachhochschule Südwestfalen begrüßen, der über Möglichkeiten der Oberflächenbehandlung berichtete, um Überzüge der Stückverzinkung zu beeinflussen. Unter Anderem stellte er Möglichkeiten vor, die Bildung der natürlichen Deckschichten künstlich zu beschleunigen und so den Eintrag von Zink in die Umgebung zu reduzieren. Des Weiteren ist es möglich, eine einheitliche, in Grenzen variierbare Graufärbung der Zinküberzüge zu erreichen, was die Nutzung des Korrosionsschutzes der Stückverzinkung unter Gestaltungsaspekten der Architektur bereichern kann.

Mit seinem Beitrag zum Thema Korrosivitätskategorien an Schienenfahrzeugen beendete Herr Peter Lebelt vom IKS den Vortragsteil des ersten Veranstaltungstages. Die Bestimmung der Korrosivitätskategorien an konkreten Standorten ist eine wesentliche Grundlage zur effizienten Auslegung geeigneter Korrosionsschutzsysteme. Für stationäre Anwendungen ist die dazu erforderliche Auslagerung von Standard-Proben gängige Praxis. Im Vortrag berichtete Herr Lebelt über die Herausforderungen bei der Durchführung derartiger Versuche an Schienenfahrzeugen, die er bei der Durchführung seines Forschungsprojektes zu lösen hatte. Die Ergebnisse der Untersuchungen waren ebenso aufschlussreich wie überraschend.

Nach der Abschlussdiskussion nutzten die Teilnehmer der Dresdner Korrosionsschutztage die Möglichkeit, den traditionsreichen Dresdner Striezelmarkt zu besuchen, bevor der Tag in entspannter Atmosphäre beim gemeinsamen Abendessen ausklang.

Zweiter Tag “Beschichtung”

Von links nach rechts: Susanne Fiedler, Dr. Jörg Hübscher, Dr. Andrea Rudolf, Institut für Korrosionsschutz Dresden GmbH.

Trotz der zurückliegenden Abendveranstaltung, die einige Teilnehmer bis spät in die Nacht in interessanten Gesprächen mit Fachkollegen festhielt, wurde die Vortragsreihe zum Thema „Beschichtungen“ am zweiten Tag pünktlich eröffnet. Die Einleitung in das Programm übernahm Herr Dr. Jörg Hübscher vom IKS.

Im ersten Vortragsblock gab Herr Dr. Frank Bayer (Fa. GEHOLIT+WIEMER Lack- und Kunststoff-Chemie GmbH) eine Übersicht über die wesentlichen Themen im Korrosionsschutz durch Beschichtungen, die die Fachwelt in den letzten Jahrzehnten beschäftigten. Er ging dabei insbesondere auf die Rolle des Eisenglimmers im Korrosionsschutz, Möglichkeiten der Farbgestaltung von Bauwerken, aber auch auf prüftechnische Themen, wie die Haftfestigkeit von Beschichtungen und die Korrosionsschutzplanung von Werkstoffkombinationen ein. In seinen Ausführungen würdigte er in besonderem Maße die Forschungsarbeit der ehemaligen Abteilungsleiterin im Bereich Beschichtungen des Instituts für Korrosionsschutz Dresden, Fr. Dr. Andrea Rudolf.

Direkt im Anschluss präsentierte Fr. Dr. Rudolf eine Zusammenfassung ihrer Forschungsarbeiten zum Thema „Beschichtung von feuerverzinktem Stahl“, die Ergebnisse aus drei Forschungsprojekten enthielt. Sie ging dabei zunächst auf die Rolle der Deckschichten und des Schichtaufbaus von Zinküberzügen in Kombination mit Beschichtungen ein. Ihre Arbeiten umfassten jedoch auch Untersuchungen der Oberflächen von Stückverzinkungen insbesondere in Abhängigkeit von der Art der Zinkschmelze, sowie Einflüsse der Nachbehandlung, wie dem Abschrecken und der Lagerung nach dem Verzinken auf die Performance von Duplex-Systemen. Wir danken Fr. Dr. Rudolf an dieser Stelle nochmals für ihr Engagement und wünschen ihr alles Gute für den wohlverdienten Ruhestand.

Nach der Pause folgte ein Gemeinschaftsvortrag von Herrn Christian Stolzenberger (vgbe energy e.V.) und Herrn Mario Hörnig (Bundesanstalt für Wasserbau), der die Vorstellung des neuen vgbe/BAW Standard S-021 zum Inhalt hatte. Dieses Regelwerk spezifiziert den Korrosionsschutz von Offshore-Bauwerken zur Nutzung der Windenergie durch gezielte Vorgaben für die verschiedenen Bauwerks­zonen, die sich aus unterschiedlichen Umgebungsbedingungen im Offshore-Bereich ergeben. Der Standard ist damit ein wertvoller Beitrag zur nachhaltigen Energieerzeugung in Deutschland.

Frau Susanne Fiedler (Institut für Korrosionsschutz Dresden GmbH) schloss sich mit einer Darlegung der Vorarbeiten zur Fortschreibung des Blattes 100 nach TL KOR-Stahlbauten im Rahmen eines von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) initiierten Forschungsprojekts an. Sie beschrieb die Entwicklung von Prüfverfahren zur Einschätzung der Wärmebelastbarkeit und der mechanischen Beständigkeit von Beschichtungen, welche das Prüfprogramm des Blattes 100 erweitern werden, um nebst anderen Tests dem hohen Dauerhaftigkeitsanspruch dieser Beschichtungssysteme gerecht zu werden.

Den letzten Vortragsblock des zweiten Tages begann Herr Chris Herrmann (GSB International e.V.) mit einem Ausflug in die Welt der Pulverbeschichtung bandverzinkter Stahlbleche. Er ging dabei auf die einzelnen Prozessschritte ein, hob die besondere Bedeutung der Oberflächenbehandlung bandverzinkter Bauteile hervor und zeigte die Bedeutung der Qualitätsüberwachung durch die Gütegemeinschaft Stückbeschichtung (GSB) auf.

Zum Schluss wurde das Leistungsvermögen von Seilverfüllmitteln im Kontext des Korrosionsschutzes von Stahlseilen, welche z.B. für seilverspannte Brücken verwendet werden, von Herrn Dr. Jörg Hübscher (Institut für Korrosionsschutz Dresden GmbH) veranschaulicht. Vor dem Hintergrund der schnell wachsenden Zahl von Seilbrücken und fehlenden Leistungsprüfungen für die zum Einsatz kommenden Seilverfüllmittel wurde ein Forschungsprojekt auf den Weg gebracht und durch den Arbeitskreis 2.4.1 der BASt begleitet. Als Resultat ist ein Vorschlag für ein Prüfregime entstanden, dass als Grundlage für die Regelwerkserstellung herangezogen wird.

Nach diesen zwei Tagen voller interessanter Themenüberblicke wurden die Teilnehmer durch Herrn Dr. Triebert und Herrn Dr. Hübscher verabschiedet. Es war eine sehr gelungene Veranstaltung in der Nähe des Lichtermeers der Dresdner Innenstadt zur Adventszeit. Wir wünschen allen Teilnehmern und der gesamten Korrosionsschutzfachwelt alles Gute für das neue Jahr 2024.